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Nachhaltigkeit

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Wege und Strategien zu einer nachhaltigen Gesellschaft sind nicht in kurzen Sätzen auf den Begriff zu bringen. Der Weg beginnt mit einem Prozess des Bewusstwerdens, der es ermöglicht, die Frage zu beantworten, ob reale Gesellschaftsstrukturen mit den Idealen übereinstimmen, die an sie gestellt werden. Um Schritte der Veränderung erzielen zu können, bedarf es jedoch eines gelebten Verantwortungsbewusstseins.

Verantwortungsethik, so schreibt Günter Rieger, ist eine Ethik des politischen Handelns, die „vorhersehbare Folgekosten wie mögliche Nebeneffekte berücksichtigt und bereit ist, die Verantwortung für die Konsequenzen ihrer Politik zu tragen“. Diese Ethik ist eine Zukunftsethik, d.h. sie schafft ein Bewusstsein dafür, das eigene Leben hinsichtlich seiner Auswirkungen für zukünftige Generationen zu hinterfragen. Daran wird deutlich, weshalb Hans Jonas seine technische Ethik 1971 mit dem Titel „Das Prinzip Verantwortung“ versehen hat. Verantwortung im Hinblick auf Technologien muss sich an der Verträglichkeit mit menschlichem Leben messen – in Jonas einprägsamen Worten: „Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlungen verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.“ Dieser ethische Imperativ ist damit kein kategorischer im Sinne Kants mehr, weil nicht jede Handlung an dieser Maxime orientiert werden kann, aber – wenn man darüber nachdenkt – ein äußerst umfassendes Gebot. Ein Imperativ, der immer dann Gültigkeit zu beanspruchen vermag, wenn der Prozess menschlichen Lebens durch Eingriffe gestört wird.

Im Hinblick auf zukünftige Generationen formuliert Jonas damit ein klares Verantwortungsbewusstsein bei der Entwicklung und Verwendung von Technologien. Das mag zum einen mittelbar gelten, wenn Technologien unter Inkaufnahme von Umweltschäden verwendet werden, zum anderen jedoch auch unmittelbar, wenn auf globalen Märkten Produkte nachgefragt werden, die auf diese Weise produziert werden. Man kann es durchaus als Versagen von Politik werten, dass die ethischen Dimensionen auf liberalökonomischen Märkten immer den Nachfragern in die Schuhe geschoben werden. Die Schuld für die Produktion von bads trägt der Nachfrager, weil seine Nachfrage erst Ursache für die Angebotsentwicklung ist. Das mag für unreflektierte Käufer nicht völlig unzutreffend sein, doch selbst wenn man sich unethischer und unmenschlicher Produktionsweisen bewusst ist und versucht unfaire Produkte zu meiden, steht man manchmal schulterzuckend vor einer Welt großer Ungerechtigkeiten, in der man scheinbar nichts auszurichten vermag. Weil man das Vertrauen verloren hat, dass hinter den Werbeslogans und Marketingtafeln tatsächlich Ehrlichkeit steht und weil im Gewusel des Alltags manchmal die Zeit fehlt, um jede Alternative zu prüfen.

Eine Patentlösung für mehr gesellschaftliche Verantwortung gibt es in Zeiten von Rohstoffraubbau, massenhafter Überproduktion und Konsumüberfluss nicht. Man kann nur als Individuum anfangen und den ersten Schritt machen, die eigenen Bedürfnisse auf ihre Notwendigkeit hinterfragen. Weil Verantwortung sich erst dann bilden kann, wenn jeder Einzelne sie im Herzen trägt – und weil Verantwortung die wichtigste Voraussetzung für eine nachhaltigere Gesellschaft ist.

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